Hengifoss, 118 m Fallhöhe

Pass Fljótsdalsheidi

 

Am Snæfell

2.Tag-30.Juli 2004
Von Hallormstadur bis zum Langavatn, 38 km

Es hat die ganz Nacht geregnet. Aber das Wetter meint es gut mit uns. Die Sonne lässt sich blicken und es scheint ein schöner Tag zu werden. Das Zusammenpacken geht noch etwas stockend, aber gegen halb zehn können wir los rollen. Erst einmal gibt es nur den kurzen Anstieg vom Campingplatz bis zur Straße zu bewältigen. Ab da geht es bis zum Ende des Sees des Lagarfljót immer leicht bergab. Direkt gegenüber des Wasserfalls Hengifoss gibt es eine neue Brücke. Früher musste man noch ca. 8 km mehr Richtung Süden fahren, bis eine Brücke kam.
Wir stellen unsere Räder direkt am Autoparkplatz ab und machen uns auf den Weg zum Hengifoss. Mittlerweile scheint die Sonne und es ist ziemlich warm geworden. Man weiß nicht so richtig, was man anziehen soll. Es ist das gleiche Wetter wie 1997. Der Wind kommt von Südosten. An den ersten Bergen regnen die Wolken ab und hinter der ersten Bergkette des Hochlandes ist gutes Wetter. Zum Glück sind wir dieses Mal auf der richtigen Seite der Berge. 1997 war das nicht so, da sind wir 4 Tage mehr oder weniger durch Dauerregen gefahren.

Nach ca. 1 1/4 Stunden sind wir am Hengifoss. Auf den Weg dahin kann man noch einige kleinere Wasserfälle anschauen. Auch gibt es Basaltlava hier. Als wir am Hengifoss sind, scheint die Sonne direkt auf den Wasserfall. Es ist bestes Wetter zum Fotografieren. Ab und zu wird der Hengifoss von einer Windbö fasst verweht. Wir kriegen schon einen ersten Eindruck, welcher Sturm uns oben auf der Fljótsdalsheidi erwartet. Nachdem alle Fotos im Kasten sind, machen wir uns auf den Rückweg. Es geht nur bergab und so ist der Parkplatz schnell wieder erreicht. Trotzdem haben wir für die Besichtigung 3 h gebraucht. Es ist mittlerweile 13 Uhr.

Wir essen etwas, denn auf den nächsten Kilometern wartet Arbeit auf uns. Man kann den Anstieg zum Pass auf die Fljótsdalsheidi schon von weitem sehen. Auf ungefähr 8-10 km sind 400 Höhenmeter zu überwinden. Als mein Bruder 1996 hier hochgefahren ist, war die Straße noch nicht asphaltiert. Jetzt ist sie es, da sie ein Hauptverkehrsweg zum neuen Staudammprojekt ist. Die Hitze hat den Teer aber stark aufgeweicht, so dass die grobstolligen Reifen der Räder wie durch Kaugummi rollen. Mit den Serpentinen wechselt auch die Windrichtung. Nach einer Linkskurve gibt es Gegenwind, nach einer Rechtskurve Rückenwind. Aber egal woher der Wind kommt, je höher wir kommen, desto stärker wird er. Zeitweise ist an Fahren nicht mehr zu denken. Wir müssen unsere Bikes schieben. Oben am Pass weht der Wind dann mit aller Kraft von vorn. Das Vorwärtskommen ist wirklich mühsam. Die Geschwindigkeit liegt bei ca. 8-9 km/h.

Die nächsten 30 km geht es immer in die gleiche Richtung, so dass wir dem Gegenwind ausgeliefert sind. Es ist schon eine ziemliche Anstrengung vorwärts zu kommen. Der Wind kommt jetzt schräg von vorn und ist sehr böig. Manche Böen sind so stark, dass es uns fast der Lenker aus der Hand reißt. Roman wird einmal auch in der Straßengraben gedrückt. In einem Anflug von Galgenhumor fängt er an zu witzeln, er hätte wohl lieber, statt Radfahren zu trainieren, ins Fitnessstudio gehen sollen, damit er den Lenker besser festhalten kann. Er erwähnt auch, dass er ans Aufgeben denkt. Ich schaue auf die Karte. In ca. 5 km Entfernung ist eine Hütte eingezeichnet. Wir vereinbaren, dort eine Pause zu machen. Die Hütte ist verschlossen. Aber sie bietet wenigstens Windschutz. Ich krame den Kocher raus und wir kochen erst einmal einen heißen Tee und etwas zu Essen. Danach sieht die Welt schon besser aus. Von Süden kommt ein Motorradfahrer. Wir haben ihn schon auf der Fähre gesehen und unterhalten uns ein wenig. Er meint, bis zum Abzweig nach Brú sind es noch 28 km. Das ist auch unser eigentliches Etappenziel. Ob wir das heute noch schaffen?

Dem Wind ist es egal, dass es uns jetzt wieder besser geht. Er bläst mit der gleichen Stärke weiter von vorn links. Wir schaffen noch 13 km. Dann ist es bereits 21 Uhr und wir beschließen uns einen Platz zum übernachten zu suchen. Bei dem Sturm sollte der Platz vor allem windgeschützt sein. Das ist hier auf dem Fjäll aber nicht so leicht. Irgendwann finden wir hinter einer ca. 70 cm hohen Erdkannte einen Platz, wo 3 Zelte aufgebaut werden können. In der Nähe ist auch ein kleiner klarer See, aus dem wir uns mit Wasser versorgen können. Roman ist total fertig. Ich muss ihm beim Zelt aufbauen helfen. Winfried steckt das alles mit einer stoischen Ruhe weg. Bald darauf bullern die Kocher. Heißer Tee mit Whisky und das Essen wecken wieder die Lebensgeister. Es ist mittlerweile 23 Uhr. Wir können noch ein bisschen von der untergehenden Sonne erhaschen, dann fängt es an zu regnen.  Wir verkriechen uns in die Zelte. Zusätzlich zum Sturm, der an unseren Zelten rüttelt, trommelt nun noch der Regen auf das Dach.

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